Auf der Suche nach der verlorenen Wurzel

begegnete mir mein Hexenherz

Eine Winternacht, klirrend kalt. Vor mir eine weite nordische Winterlandschaft, gesäumt von einem alten, dunklen Wald. Alles ist schneebedeckt und still. Über mir ein flirrender Sternenhimmel. Eine dunkle Gestalt malt sich in der Ferne ab, eine Frau, sie geht über das Schneefeld mit langsamen, würdevollen Schritten auf den Wald zu. Sie trägt einen Stab. An ihrer Seite trotten zwei Wölfe, ruhig und vertrauensvoll. Am Waldrand dreht sie sich um, ich bin ihr jetzt ganz nah. Sie steht fest verwurzelt, aufrecht. Sie ist eine Völva, weise und souverän. Ich bin überwältigt von ihrer Präsenz, eine alte Kraft geht von ihr aus, beruhigt mein suchendes Herz, richtet mich auf. Es ist eine urweibliche Kraft. Sie schaut mich an, schaut in meine Seele. Sie kennt mich – und ich sie. Seit Ewigkeiten. Sie deutet auf den Wald, ich folge ihr, wir tauchen ein in das dunkle Geheimnis des alten Waldes, sie führt den Weg, die Wölfe beschützen uns, und ich weiß: ich bin zu Hause. Nicht an einem Ort, sondern in mir.

All das passierte, während ich tiefenentspannt auf der Erde liege und der Trommel eines schwedischen Schamanen lausche.

Heute weiß ich: In dieser Nacht begann mein Weg des Nordens.

Herkunft

Geboren bin ich 1972, aufgewachsen auf dem Land zwischen alten Eichen und rauschenden Birken. Das hat mich tief geprägt.

Heute lebe ich mit meinem Mann und meinen zwei Kindern in Köln. Da rauscht vor allem die Stadt – und auch das liebe ich.

In meinem Studium der Film- und Fernsehwissenschaft und Germanistik begegnete ich zum ersten Mal der Heldenreise und den Archetypen – der Beginn einer lebenslangen Faszination. Auch den alten nordischen Mythen bin ich in dieser Zeit begegnet, aber in ihrer Tiefe verstanden habe ich sie damals noch nicht. Es waren halt “alte Mythen.”

Mein Weg führte mich zum Fernsehen, zum WDR. Als Autorin und Reporterin erzählte ich die kleinen und großen Geschichten der Region – und ich habe es geliebt.

Mein erstes Kind wurde geboren – und bald war ich alleinerziehend.

Beim WDR wurde ich Fernsehmoderatorin.

Meine Welt war sehr rational, genau wie ich. Ich glaubte nur, was man mir wissenschaftlich erklären konnte – eine typische Journalistenkrankheit. Und ich habe fantastisch funktioniert, in einer Welt, die sehr männlich geprägt war und mir bald zu eng werden sollte. Denn da regte sich ein zum ersten Mal eine Sehnsucht in mir. Ein Ruf nach “mehr”. Nach Tiefe.

Mein jetziger Mann trat in mein Leben, und sehr schnell war klar: er ist DER eine. Mein zweites Kind wurde geboren, wir heirateten – und hatten beide eine Vision: ein Yogastudio in Köln. Nach 14 Jahren verließ ich das Fernsehen und wir gründeten Unity Training, das heute die Yoga-Akademie in Köln ist. Das ist jetzt auch schon mehr als 10 Jahre her. Eine Zeit voller spiritueller Wege und Begegnungen.

Ich wurde Yogalehrerin und Ausbilderin, Meditationslehrerin und Trainerin für Stressmanagement und Selbstwirksamkeit. Ich tauchte tief in die östlichen Weisheiten des Buddhismus und Hinduismus ein, südamerikanischen Schamanismus. All das war kraftvoll, faszinierend.

Aber das Gefühl, dass etwas fehlte, wurde immer stärker.

 

Der Ruf

Irgendetwas in mir sehnte sich. Etwas “rief”, und zwar immer lauter. Eine Frage brannte in mir: Wenn wir überall auf der Welt so kraftvolle alte spirituelle Wege hatten, was war denn dann mal hier ursprünglich gewesen? Ein Teil von mir sehnte sich nach einer tiefen Verwurzelung. Und ich begann zu forschen.

Ich begann meinen Weg des Nordens. Und er hat mein Leben verändert.

Was als Suche begann, wurde zu einer Heimkehr.

Natürlich begegnete ich den alten Mythen wieder. Und dieses Mal beantworteten sie etwas in mir. Die alte nordische Naturspiritualität traf mich mit voller Wucht. Da waren jetzt nicht mehr nur “alte Mythen”, sondern Geschichten, die eine tiefe Resonanz in mir weckten. Plötzlich stand ich wieder in den Wäldern meiner Kindheit. Las von Göttern, die auf der Suche waren, genau wie ich. Die zweifelten, falsche Entscheidungen fällten, genau wie ich. Ich las vom Weltenbaum, der Licht und Dunkelheit in sich vereinte und in dem die gegensätzlichsten Kräfte ihr Zuhause hatten – und sah mich selbst. Ich entdeckte die Runen, die so viel über mich zu wissen schienen. Den Weg der Runen, der meine eigene Lebensreise widerspiegelte, meine eigene “Heldinnenreise”.

Über Jahre forschte ich, ließ mich im nordischen Schamanismus und in den Runen ausbilden und begann, selbst Menschen auf dem Weg des Nordens zu begleiten, gab Workshops und Seminare. Ich schrieb mein erstes Buch über den Nordischen Schamanismus und bin dankbar, dass es bis heute viele Menschen erreicht und berührt.

 

Die Wende

Doch je tiefer ich tauchte, desto stärker trat mir auf dem Weg eine weibliche Kraft entgegen, die ich sonst in keiner Spiritualität entdeckt hatte. Ich begegnete sanften Göttinnen genau wie furchterregenden. Heilenden Walkyren genau wie zerstörerischen. Mutigen Kriegerinnen, aufrecht und brutal zugleich. Schicksalswebende Nornen, die mich einluden, meine Lebensfäden selbst in die Hand zu nehmen. Ich verwurzelte mich endlich wieder tief mit der Erde, der großen Mutter. Ich begegnete den Völven, gefürchtet und verehrt. Den Hagazussen, die in dieser und der jenseitigen Welt zu Hause waren. Ich begegnete Seidr, einer nordischen schamanischen Seher- und Zauberkunst, die nur von Frauen ausgeübt wurde.

All diese weiblichen Kräfte waren selbstverständlich – verwurzelt, souverän, nicht angepasst. Und sie waren ganz. Nichts war abgespalten.

Doch es brauchte noch einen harten Schlag, eine brutale Wende in meinem Leben, bevor mir wirklich klar wurde, welche Kraft in all dem für uns Frauen steckte.

Ich wurde krank, bekam Brustkrebs. Und ich haderte. Blickte zurück auf mein sehr männlich gelebtes Leben. Wollte mein Körper mir etwas sagen? Wie sehr hatte ich meine eigene Weiblichkeit überhaupt gelebt? Meinen Rhythmus, meine ureigene Kraft, mein Hexenherz? Die Therapie schoss mich unsanft in die Wechseljahre – eine chaotische, wilde Zeit, die aber viel Klarheit mit sich brachte: ich hatte immer fantastisch funktioniert, war aber genauso oft tief erschöpft gewesen.

Und ich erkannte: Ich war nicht allein.
Viele Frauen funktionieren.
Und verlieren dabei leise sich selbst.
Vielleicht geht dir das auch so.

Darauf blickte ich zurück: Tägliches Gehetze war total normal gewesen. Ich kannte es nicht anders. Stress war über Jahre mein ständiger Begleiter. Immer schneller, immer größer. Immer mehr optimieren.

Das musste aufhören. Plötzlich erkannte ich, dass ich in einer sehr männlichen und rationalen Welt sehr männlich und rational gelebt hatte. Gegen meinen Instinkt, gegen meine Intuition, gegen meinen Rhythmus. Und gegen mein Hexenherz, das jetzt nicht mehr nur rief, sondern schrie.

Ich wollte nicht mehr funktionieren, ich wollte leben. Ich wollte diese pulsierende, vibrierende Kraft in mir spüren, die diese alten weiblichen Kräfte für mich ausstrahlten. Ich wollte ein neues, altes Selbstverständnis als Frau. Ich wollte mich verbunden fühlen mit etwas Altem, Größerem.

Und so wurde der Weg des Nordens weiblich.

Verwurzelung

Mein Weg des Nordens wurde zu einer Reise tief zu mir selbst – und in unsere weiblichen Wurzeln.
In das, was lange leiser geworden war:

die Stimme der Frau.
Ihre Wildheit.
Ihre Lebendigkeit.
Ihre eigene Spiritualität.
Ich habe erfahren, dass diese Kraft nicht verschwunden ist.
Sie lebt.

Als Erinnerung.
Als leiser, beständiger Ruf.
Als Hexenherz.

Und sie will nicht bewundert werden.
Sie will gelebt werden.
Heute öffne ich diesen Weg für Frauen, die sich ebenfalls erinnern.

Einladung

Wenn du spürst,
dass dich dieser Weg ruft,
bist du willkommen.

 

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